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Vielfalt - Diversität

Biodiversität - Vielfalt des Lebens

Die Vielfalt der Lebermoose, wie sie Ernst Haeckel
sah (1899-1904). Quelle: BioLib

Biodiversität, oder "biologische Vielfalt", bedeutet mehr als nur Artenvielfalt. Nach der Definition des "Internationalen Übereinkommens über die Biologische Vielfalt" (Convention on Biological Diversity) von Rio (1992) umfasst der Begriff "die Vielfalt innerhalb der Arten und zwischen den Arten und die Vielfalt der Ökosysteme." In der Regel unterscheidet man so drei Ebenen:

  1. Genetische Diversität - die Vielfalt aller Gene innerhalb einer Art
  2. Artendiversität - die Vielfalt der Arten
  3. Ökosystem-Diversität - die Vielfalt an Ökosystemen und Lebensräumen

Um Vielfalt zu messen und zu vergleichen, sind oft komplizierte Verfahren und aufwändige Untersuchungen notwendig. So verwendet das Biodiversitäts-Monitoring Schweiz 34 verschiedene Indikatoren, um den Zustand und die Veränderungen der Biodiversität zu beschreiben. Eine der am häufigsten verwendeten Kennzahlen ist die Alpha-Diversität: die Artenzahl in einem begrenzten Lebensraum, etwa einer Wiese oder einem Waldstück.

Bewertung der Biodiversität

Nach dem Ermitteln der Artenzahl in einer Region oder einem Lebensraum folgt als zweiter Schritt meist eine Bewertung. D.h. die Zahlen müssen in einem Wertesystem betrachtet werden. Nicht immer ist eine höhere Artenzahl einfach besser. So kann es sinnvoll sein, anstelle der Gesamtartenzahl auch die Zahl der gefährdeten Arten zu betrachten, um ein Gebiet zu bewerten. Oder die Zahl der Arten für die ein Land eine besondere Verantwortung hat (prioritäre Arten). Hochmoore beispielsweise sind eher artenarm, weisen aber eine Reihe von spezialisierten Moosen auf, die nur dort vorkommen (z.B. diverse Torfmoose, Mylia anomala, Polytrichum strictum etc.). Ein anderes Bewertungskriterium ist die Verwandtschaft der beobachteten Arten. So wird ein Lebensraum mit z.B. fünf nicht näher verwandten Arten tendenziell als wertvoller eingestuft als ein Habitat mit fünf ähnlichen, nah verwandten Arten. Zur Bewertung eines Lebensraumes können auch Zeigerwerte verwendet werden, welche die ökologischen Ansprüche und andere Eigenschaften der einzelnen Arten beschreiben (Urmi 2010).

Die Vielfalt des Lebens, oder in unserem Fall, die Vielfalt der Moose, zeigt sich aber nicht nur in Kennzahlen. Mannigfaltig sind auch Formen und Farben, Lebens- und Fortpflanzungsstrategien, Wuchsformen und ganz allgemein die höchst vielfältigen Anpassungen der Moose an ihre ebenso unterschiedlichen Lebensräume.

Literatur

Haeckel E. 1899–1904. Kunstformen der Natur (Tafel 72: Muscinae. Laubmoose und Tafel 82: Hepaticae. Lebermoose). — HTML-Version herausgegeben von Kurt Stüber, 1999. Vollständige elektronische Faksimile-Ausgabe.
Urmi E. 2010. Teil II Bryophyta (Moose), S. 283-310. — In: Landolt E. (ed.) Flora indicativa, Ökologische Zeigerwerte und biologische Kennzeichen zur Flora der Schweiz und der Alpen. Haupt, Bern.

 

Autoren: M.K. Meier & A. Bergamini 10.2011