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Das bearbeitete Gebiet

Alpen

Alpen: Blick von Osten auf das Wildhorn (3'246 m ü. M.
Westabhang des Tubang, Gemeinde Randogne, Kanton Wallis)

Mehr als die Hälfte der Landesfläche gehört zu den Alpen. Die Nähe der Gegensätze prägen dieses Hochgebirge. Der höchste Punkt der Schweiz, die Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv (4'634 m ü. M.) und die tiefste Fläche, der Lago Maggiore (Langensee, 193 m ü. M.) liegen nur 67 km auseinander. Die Tiefe dieses Sees reicht sogar unter Meeresniveau.

Klima

Diesen Gegensätzen entspricht das jeweilige lokale Klima. Die kältesten und wärmsten Stellen sind fast identisch mit den höchsten und tiefsten. Die Julimittel der Temperatur liegen auf den höchsten Gipfeln über 4'000 m unter 0°C, in Locarno bei 26°C. Das absolute Temperaturmaximum der Schweiz wurde am 11.8.2003 bei Grono in der Valle Mesolcina (Misox) mit 41,5°C gemessen. Das nasseste und das trockenste Gebiet des Landes liegen ebenfalls nah beisammen im Wallis. Die höchsten Gipfel haben wahrscheinlich einen Jahresniederschlag von über 4'000 mm, während dieser im Vispertal um 530 mm beträgt. Ähnliches gilt für die Länge der Vegetationszeit, die von der unterschiedlichen Schneebedeckung abhängig ist.

Gesteine und Böden

Relief, lokales Klima, wechselnder Untergrund und Zeit seit der Befreiung vom Eis bestimmen die Art der Böden im Gebiet. Permafrostböden, also Stellen, an denen der Unterboden auch im Sommer nicht auftaut, sind keine Seltenheit. Entwickelte, tiefgründige Böden finden sich dicht neben Rohböden oder gar blankem Fels, schwach basische Böden neben sehr sauren.

Vegetation

Entsprechend eng verzahnt sind die Pflanzengemeinschaften der Vegetation. Dies gilt vor allem für Kryptogamengesellschaften, die oft im Zentimeterbereich abrupt wechseln. Der Flächenanteil des Waldes entspricht ziemlich genau dem Durchschnitt des Landes von 30%. Ganz lokal gibt es sogar Wälder, die dem Urzustand noch sehr nahe sind. Der häufigste Waldbaum ist die Fichte (Picea abies); gebietsweise dominieren aber Lärche (Larix decidua) oder Arve (Pinus cembra).

Landnutzung

Die Verteilung der Bevölkerung ist ein weiteres Beispiel für die Nähe der Extreme. Während die alpine Stufe i. w. S. ±unbewohnt ist, drängen sich die Einwohner in den Tälern. Bei einer mittleren Dichte von ca. 50 pro km2 reicht die Skala von 0 bis mehr als 5'000 (Spiess et al. 1984). Die Abwanderung aus den höheren Alpentälern ist nicht zu übersehen. Tourismus spielt eine besondere Rolle, anders als die Industrie. In der Landwirtschaft (ca. 30% der Gesamtfläche) dominiert das Milchvieh. Dabei sind die Sömmerungsweiden der alpinen Stufe am wichtigsten. In den zentralen und südlichen Alpentälern gibt es Rebbaugebiete. Bezeichnend ist, dass die Siedlungen und Verkehrswege weniger als 5% der Fläche einnehmen, das unproduktive Gebiet (Fels, Gesteinsschutt, Firn und Gletscher) hingegen ca. 40%.

Moose

Viele Moosarten und sogar ganze Gattungen kommen in der Schweiz nur in den Alpen vor. Beispiele dafür sind: die Arten der Gattungen Andreaea (8 Taxa), Anthelia (2 Arten), Gymnomitrion (4 Arten), sowie Didymodon asperifolius und viele andere mehr.

Naturräume 2. Ordnung

Die grossen Gegensätze rufen nach einer Unterteilung des Naturraumes der Alpen. Gutersohn (1973) nennt drei Naturräume 2. Ordnung: Die Nordflanke (hier „Nordalpen“ genannt; vom Chablais bis zum Rhein im Osten), die inneralpinen Gebiete (hier „Zentralalpen“; Wallis, Graubünden ohne die Südtäler, aber mit der Engiadina [Engadin]) und die Südflanke (Versante meridionale, „Südalpen“) mit Simplon Süd, Tessin inkl. Misox und Sottoceneri, Val Bregaglia (Bergell), Val Poschiavo (Puschlav) und Münstertal. Diese Gebiete sind entlang der Haupt-Wasserscheiden leicht abzugrenzen, aber schwierig zu charakterisieren.

Die Nordalpen weisen weniger ausgeprägte Extreme auf als die andern beiden. Diese relative Ausgeglichenheit ist geradezu charakteristisch und möglicherweise der Grund für das ausschliessliche oder doch überwiegende Vorkommen von Besonderheiten wie Distichophyllum carinatum oder Brotherella lorentziana.

Die Zentralalpen zeichnen sich dadurch aus, dass sie eher kontinental getönt sind und einige Trockenstandorte aufweisen. Einige Moose kommen hier nur im Wallis vor, sind aber meist wärmeliebende südliche Arten. Eines von ihnen, Pterygoneurum subsessile, gilt als subkontinentales Element.

Manche Moosarten sind auf die Südalpen beschränkt. Hauptsächlich die höhere Temperatur in den Niederungen ist verantwortlich für das Vorkommen mediterraner Arten, die hier ihre nördlichsten Vorposten haben, z. B. Fabronia ciliaris. Anderseits gibt es in den tief eingeschnittenen Tälern im Einzugsgebiet des Ticino ozeanische Verhältnisse, die es erlauben, dass z. B. Plagiochila exigua vorkommt, die nach Müller (1951-58) eine "streng atlantische" Art ist. Zwei Drittel der Moosarten, die mehr oder weniger ozeanische Verhältnisse anzeigen, finden sich ausschliesslich oder doch überwiegend im Tessin (Urmi 2010).

Literatur

Gutersohn H. 1973: Naturräumliche Gliederung, 1 : 500'000. — In: Imhof E. (ed.) 1965-1981. Atlas der Schweiz, Bl. 78. Eidgenössische Landestopographie, Wabern-Bern.
Müller K. 1951-58. Die Lebermoose Europas. — In: Rabenhorst L. Kryptogamen-Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Bd. VI, 3. Aufl., Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig K.-G., Leipzig.
Spiess E., Peyer M., Rotach R. 1984. Bevölkerungsdichte. — In: Spiess E. et al. (eds.) 1981-1990. Atlas der Schweiz, 2. Ausgabe, Bl. 24b. Bundesamt für Landestopographie, Wabern-Bern.
Urmi E. 2010. Teil II Bryophyta (Moose), S. 283-310. — In: Landolt E. (ed.) Flora indicativa, Ökologische Zeigerwerte und biologische Kennzeichen zur Flora der Schweiz und der Alpen. Haupt, Bern.

Autor: E. Urmi 1.2011